Montag, 16. Januar 2012

Wake up #3

12:45 Uhr

„Sie ist da.“ ich schlage die Augen auf. „Wer ist da?“ Meine Frau war wohl gerade die Post aus dem Briefkasten holen und nimmt nun den Inhalt des geöffneten Briefes welchen sie in der Hand hält zum Anlass mich aus meinem, meiner Meinung nach, wohlverdienten Mittagsschlaf zu reisen. „Die Schrankwand.“ Begeisterung ist in diesem Moment mit Sicherheit in dem Reichen Schatz jener Gefühle deren ich fähig bin vorhanden. „Toll.“ Vor meinem Inneren Auge sehe ich mich aufstehen, ins Wohnzimmer gehen, mit dem Leeren der noch dort befindlichen Schrankwand beginnen um darauf folgend mit dem Abbau und dem verbringen der nun nicht länger benötigten Teile in den Keller fortzufahren. „Die sollte doch erst nächste Woche kommen?“ Ich bequeme mich aus dem Bett. „Das dachte ich auch, aber anscheinend,“ sie hält den Brief hoch, „ist sie jetzt schon da.“ Anscheinend, toll, ausgerechnet heute, ausgerechnet an einem Freitag. Ist das Wochenende auch wieder im Eimer. Nicht das ich in letzter Zeit nicht ausreichend Frei gehabt hätte, darüber kann ich mich nun wirklich nicht beklagen, Wochenende ist eben Wochenende. Da geht so etwas einfach gar nicht und sollte auf keinen Fall hingenommen werden. „Dann fange ich mal an die Schrankwand auszuräumen wenn du solange nach den Kindern siehst?“

Eine neue Schrankwand ist ja schon etwas schönes. Gut, sie will bezahlt werden aber das verkommt zur Nebensache wenn man sich die Vorzüge der neuen erst einmal bewusst gemacht hat. Der Standplatz des neuen Pantoffelkinos, endlich nicht mehr Röhrengerät (ja, ich bin in der Zukunft angekommen), ist wesentlich besser. Blueray-, CD-Player und Verstärker (da sollte auch mal was moderneres her) haben es wesentlich komfortabler als zuvor. Die neuen Schränke verfügen jetzt sogar über die ein oder andere Schublade, was das Chaos der noch nicht abgelegten Papiere um ein vielfaches unsichtbarer für jeden Gast macht, sollte man doch mal etwas brauchen was sich genau dort befindet wo die Unordnung regiert. Schranktüren haben immer was von einer nicht abgeschlossenen Toilettentür in einem ICE wo man ja sicher nicht der einzige Fahrgast ist den es mal auf das Stille Örtchen treibt. Sie ist nicht so wuchtig wie ihr Vorgänger. Sie erschlägt einen nicht mehr wenn man ihr auf dem Sofa gegenüber sitzt. Etwas das einen erdrückt ohne das es einen wirklich erdrückt ist auf Dauer nicht zu ertragen.
Ihr grösster Vorzug allerdings ist, das sie schlicht und einfach neu ist. Alles neue ist toll, gut, schön und das Beste. Wenigstens so lange bis es nicht mehr neu ist. Dann aber hat man ja noch immer die Möglichkeit es durch etwas neues zu ersetzten auf das dann die gleichen Attribute zutreffen.

Diese Schrankwand hier hat allerdings einen denkbar schlechten Start. Natürlich ist auch sie die Tollste, Beste und Schönste. Es ist aber auch die, die sich an einem Freitag Mittag ankündigte, mich aus dem Schlaf holte und mir schon im voraus das Wochenende versaute.

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